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Auf den Spuren des Gewürztraminers

Weinbergwanderung mit Prof. Attilio Scienza

Im Zuge des Gewürztraminer-Symposions im Schloß Rechtental in Tramin fand eine Weinbergwanderung zu den berühmten Gewürztraminer Lagen über St. Jakob bis hinauf nach Söll statt. Attilio Scienza, Professor für Weinbau am Agrarinstitut der Universität Mailand, begleitete die Teilnehmer bei der Wanderung und erörterte die Geschichte der Rebe und des Weinbaus.

Unterricht im Freien

Nach den Ausführungen von Prof. Scienza gab es bereits im 19. Jh. Weinbergwanderungen mit Unterrichtscharakter. Allerdings mehr aus Not heraus und nicht zur Unterhaltung, da es aufgrund von fehlenden Anschauungsmaterial wie Fotos oder Filme nicht möglich war, in Gebäuden über den Weinbau zu lehren.
Der Ursprung der Reben dürfte bis auf die Zeit der Dynosaurier zurückgehen. Zu den Eltern der heutigen Rebe zählten u.a. Reben in Kanada, die damals noch auf Bäumen kletterten. Auch im heutigen Schweden wuchsen einst Reben, das Klima war damals allerdings tropisch in diesem Gebiet.


Klima bestimmt Weinbaugeschichte

Aufgrund von klimatischen Veränderungen und der Eiszeiten wurden die Reben vom Norden in den Süden gedrängt und kamen dabei, umgeleitet durch das Hindernis „Alpen“ nach Frankreich und in den Orient. Erst als die Menschen vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern wurden, begann man mit der Kultivierung von Pflanzen. Am Anfang geschah dies mehr durch Zufall als durch Absicht; Es entstand eine Art „Müllhaldenweinbau“, d.h. Pflanzen oder Reste davon, für die keine Verwendung war, wurden auf eine Müllhalde geschmissen und durch Zufall wuchsen so unterschiedliche Gewächse in unmittelbarer Nähe der Behausungen, die geerntet werden konnten.


Wein prägt Gesellschaftsleben

Über den Orient gelangte dann die Rebe nach Griechenland und schließlich weiter bis nach Italien. Als im Mittelalter die Pest Angst und Tod brachte, wurde der Weinbau vernachlässigt und erlebte einen Tiefpunkt. Erst als die Pest besiegt war und das Volk wieder Feste feiern wollte, wurde der Wunsch nach gutem Wein immer größer. Um der großen Nachfrage nach Wein gerecht zu werden, wurde erstmals internationaler Weinhandel in großem Stil betrieben.
Das Klima bestimmte seit alters her den Fortbestand und die Entwicklung der Weinrebe.


Traubenernte im Juli

Zwischen dem 15. und 17. Jh. war es im südlichen Alpenraum so warm, dass die Weinernte im Juli stattfand. Im Trentino und in Südtirol konnten Reben bis auf eine Meereshöhe von 1500 (!) m angebaut werden. Doch im Jahre 1701 wurden alle Anstrengungen der Bauern in einer einzigen Kältenacht zu nichte gemacht. Eine Kältewelle erfasste alle Reben von der Nordsee bis nach Norditalien, das Thermometer sank auf Minus 40 Grad. Die Felder sahen damals wie ein Schlachtfeld aus, da die Pflanzen wegen der eisigen Kälte regelrecht explodierten. Anfang des 18. Jh. begann dann der große Wiederaufbau mit europäischen Reben, der zu großen Erfolgen in der europäischen Weinbauwirtschaft führte. Erst wieder Anfang des 20. Jh. führte die aus Amerika importierte Reblaus den Weinbau in eine tiefe Krise, die erst wieder in der Nachkriegszeit überwunden werden konnte.


Renaissance des Gewürztraminers

Heute befinden wir uns in einer Phase in der sich verstärkt eine niveauvolle Weinkultur entwickelt und der Wunsch nach hochkarätigen Weinen immer größer wird. Große Mengen werden verachtet, Qualität steht in der Prioritätenliste ganz oben. Dem Gewürztraminer selbst wird von Experten durchaus eine gute Zukunft in Aussicht gestellt. Während der Gewürztraminer noch bis vor wenigen Jahren im Schatten großer Weine stand, erlebt er heute seine Renaissance. In Tramin übersteigt die Nachfrage nach Gewürztraminertrauben längst dessen Angebot. Die Auszahlungspreise für die Trauben sind sehr gut. Man darf also gespannt sein, wie sich der Wein in den nächsten Jahren entwickeln wird.

(Dr. Jürgen Geier)

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