Weißer Lagrein - Traminer Wein oder
Traminer Hauptwein
Im Fürstbischof Bernhard v. Cles 1516 vorgelegten „Privilegium
hominum et Comunitatits oppidi Trameni werden „Traminer
Hauptweine“ erwähnt. Darin wurde bestimmt, daß
die Traminer Hauptweine von durch die Ortsobrigkeit bestimmten
Beamten mit Siegel und wohl auch Begleitpapieren zu versehen
waren.
In den Verfachbüchern, die für das Gericht Tamin
seit dem Jahre 1527 zu einem großen Teil erhalten blieben,
findet sich fast durchwegs Weißer Lagrein.
Aus einer nicht datierten, aber entsprechend ihrer Einreihung
wohl in den ersten Jahrezehnten des 16. Jahrhunderts entstandenen
„Ordnung der Weinmesser vnnd Schöfpper alhie“
geht indirekt hervor, dass Rotwein nicht der Hauptwein und
insgesamt nur die Ausnahme gewesen sein muß.
Den „Hauptwein“ von 1620 indes sucht man in der
Rubrik „Kirchentax“, wo die amtlichen Preise für
den Wein aufgelistet sind, vergeblich. Die Liste führt
lediglich „Tramynner“ an. Dass man darunter tatsächlich
eine Sorte und nicht die Herkunft oder Lage zu verstehen hat,
beweist der Umstand, dass fast immer Preisangaben für
„Gschlafn“ – eine weitere Sorte –
folgen.
In der Hauschronik des Freisinger-Hofes, einem Weingut in
Tramin, findet man zahlreiche Nachweise über Arbeiten
im Weinbau und die jeweils gepflanzten Rebsorten. Im Laufe
von über 300 Jahren sind es mehr als ein Dutzend gewesen.
Das „Hauslibell“ bestätigt, daß Weißer
Lagrein noch im 17. Jahrhundert überwogen haben muß.
Allerdings vom „Gewürz“-Traminer ist in diesem
Buch nichts zu finden. Bassermann-Jordan meint, „Gewürztraminer“
scheine „ein erst im XIX. Jahrhundert so recht in Mode
gewordenes Attribut des Traminers zu sein“.
Sehr wohl angeführt sind im „Hauslibell“
„weise und Rothe Klefner-Traminer“, die gemeinsam
mit „Ruhländer“ und „Rißling“
zwischen 1867 und 1869 im „Innsbrucker Stückl“
gesetzt wurden. Rotklevner ist eines von mehreren im Elsaß
gebräuchlichen Synonymen für Traminer oder Gewürztraminer.
Prof. Attilio Scienza von der Universität Mailand kommt
zum Schluß, daß der Traminer genetisch keiner
der ursprünglich in Norditalien kultivierten Sorten angehört,
sondern jenen des Rheingebietes sehr nahe steht und einen
nördlichen Weg genommen haben könnte
Die Deutung des Namens Lagrein selbst ist nicht einfach.
Im altgriechischen bedeuted „lagarós“ herabhängend.
Plinius kennt eine „Lagarina“ aus Süditalien.
Die Ableitung könnte aber auch von der Valle Lagarina,
dem Etschtal südlich von Trient , stammen.
Fazit:
Von den Tiroler Reitbüchern des 13. Jahrhunderts bis
zu den Verfachbüchern der frühen Neuzeit oder gedruckte
Werke wie literarische Zeugnisse seit Konrad von Megenberg
im 14. Jahrhundert sprechen alle eine eindeutige Sprache:
Jahrhundertelange konnte sich kein Tiroler Wein mit dem Traminer
messen. Traminer Wein ist seit dem Mittelalter im ganzen deutschsprachigen
Raum außerordentlich bekannt und beliebt. Es ist anzunehmen
dass dieser berühmte Wein der Weiße Lagrein war.
Leider kann nicht bewiesen werden, dass der Gewürztraminer
oder eine Spielart der heutigen Sorte Traminer mit dem Weißen
Lagrein identisch sind.
Wenn das nicht der Fall ist und die Sorten identisch sind,
könnte Tramin eine doppelte Ehre für sich verbuchen:
Mit dem weißen Lagrein wurde der Ruhm als der Tiroler
Weinort schlechthin begründet und zweitens wäre
Tramin bei der Namensgebung einer weiteren Sorte Pate gestanden.
Beim umwiderlegbaren Ruf Tramins muß man wohl davon
ausgehen, dass der Ursprung des Namens Traminer in diesem
Weinort auch zu suchen ist. Allerdings bedeuted Ursprung des
Namens nicht automatisch auch Ursprung der Rebe. Doch das
wäre eine unendliche Geschichte…
(aus: Tramin an der Südtiroler Weinstraße / Dorfführer
von Dr. Roland Zwerger)
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