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Geschichte Tramins

 

Der um 1880 unterhalb von Rungg bei Tramin gefundene Menhir (langer Stein in Menschengestalt) ist stummer Zeuge dafür, daß das Gebiet bereits frühzeitlich in der Jung- oder Steinkupferzeit besiedelt war. Ein weiterer bedeutender Fund, der auf frühe Besiedelung hinweist ist eine Steinplastik, die einen Jüngling darstellt. Datiert wird der Marmorkopf auf das 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus.

Belege für einen regen Transitverkehr nicht nur östlich der oft das ganze Tal überschwemmenden Etsch, sondern auch westlich, sind zahlreiche Münzen, die gefunden wurden.
Das frühe Mittelalter ist für Tramin unter dem Gesichtspunkt der Forschung eine dunkle Epoche. Es gibt kein gesichertes Wissen aus dieser langen Periode.

Die gesicherte Erstnennung Tramins fällt ins Hochmittelalter. Aus der Regierungszeit Bischof Adalberos, der zwischen 1048 und 1106 „auf dem Stuhle des heiligen Vigilius“ in Trient saß, blieb eine Art Register erhalten, laut welchem er dem nahen Wahlfahrtsort des hl. Romedius am Nonsberg die „decima de broilo novello de Tremeno“, also dem Zehnten aus einem neuen Garten in Tramin, schenkte.

Für lange Zeit das wichtigste Dokument war die Vertragsurkunde vom November 1214 über den Bau einer Burg auf dem Hügel Kastelaz oberhalb der St.-Jakobs-Kapelle. Die Burg, als Fluchtburg in kriegerischen Zeiten geplant und gebaut, sollte offenbar auch als Aufbewahrung des wertvollsten Gutes, nämlich den Wein, den man damals schon kannte, dienen.
Politisch unterstand Tramin seit dem 11. Jahrhundert den Fürstbischöfen von Trient.

Der Versuch Meinrads und seiner Nachfolger, die Gerichtsherrschaft und die politische Gewalt über Tramin den Fürstbischöfen von Trient auf Dauer zu entreißen, blieb erfolglos. Von recht kurzen Zeitabschnitten im 13., 14. und 15. Jahrhundert abgesehen, amtierten in Tramin fürstbischöflich Trientner Richter und Pfleger. Amtssprache und die, in der weltliche Urkunden und Akten ausgestellt wurden, war ab dem 14. Jahrhundert fast durchwegs Deutsch.

Bereits zum Jahre 1498 ist ein Bürgermeister nachzuweisen, der hier auch schon so genannt wurde.
Wirtschaftlicher Erfolg und Wohlstand im 15. Jahrhundert haben in sakraler Kunst ihren Niederschlag gefunden. Genau im Jahre 1400 wurde der heute noch erhaltene gotische Chor der Pfarrkirche eingeweiht, nicht viel später wird dessen Ausschmückung mit Fresken erfolgt sein, St. Jakob erhielt das südliche Kirchenschiff und die 1441 datierten Fresken. Aus dem 15. Jahrhundert stammt auch der größte Teil der Malereien in St. Valentin, 1470 wurde die Kirche in Söll vergrößert, deren alter Teil ebenfalls noch Bilder aus dem 15. Jahrhundert zeigt. Dem Wohlstand und der Frömmigkeit, vielleicht auch dem Bürgerstolz der Traminer des 15. Jahrhunderts ist das unbestrittene Wahrzeichen der Gemeinde, der gotische Turm der Pfarrkirche zu verdanken.

Ein Großteil der alten Bausubstanz stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Bei einem Großbrand am 27. Februar 1797 fielen dem Feuer 28 Wohnhäuser, 22 Scheunen sowie in Rungg weitere fünf Häuser zum Opfer. Insgesamt wohl fast ein Drittel des Dorfes.
Ein Unglück kommt selten allein: Die Franzosen waren von Süden im Anmarsch und konnten auf Dauer nicht aufgehalten werden. Sie verwüsteten Weingärten, Felder und plünderten Häuser. Noch schlimmer als Feuer und kriegerische Feinde trafen Krankheiten viele Familien auf.

1914 wurde die Fraktion Söll von Kurtatsch losgelöst und der Gemeinde Tramin, von der sie kirchlich und schulmäßig immer schon abhängig gewesen war, angegliedert.

Der erste Weltkrieg forderte 93 Traminer Todesopfer. Nach der Machtergreifung durch die Faschisten wurde versucht, nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die ganze deutsche Kultur auszumerzen und jahrhundertealte Traditionen zu verbieten.
Dass nach zwei Jahrzehnten schlechter Erfahrungen die überwiegende Mehrheit für Deutschland optierte und damit das Verlassen der Heimat in Betracht zog, ist unter diesen Umständen nicht schwer zu verstehen. Dem Kriegsverlauf ist es zu verdanken, daß die tatsächliche Abwanderung bald ins Stocken geriet.
Der Mai 1945 brachte jedoch wieder die alte Situation. Erst 1948 wurde das Unterland der mehrheitlich deutschsprachigen Provinz Bozen angegliedert.
In den 50er Jahren war bereits ein deutlicher Wirtschaftsaufschwung in der Landwirtschaft zu verzeichnen.

Ende der 50er Jahre und erst recht nach dem Bau der Südtiroler Weinstraße um 1963 und schließlich der Brennerautobahn kam der Tourismus als bedeutender Wirtschaftsfaktor hinzu.

Als Alternative zum Kalterer See wurde 1974 das Traminer Freischwimmbad eröffnet. Nur zwölf Jahre später wurde es nach einem heftigen Unwetter durch den Höllentalbach völlig zerstört und dann im Sommer 1992 an anderer Stelle als „Sport- und Erlebnisbad“ neu errichtet.

Das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war in Tramin von der Durchführung einiger Großprojekte geprägt. Ab 1992 stand das Bürgerhaus allen Interessierten für Veranstaltungen zur Verfügung. Im Herbst 1996 konnte die Bezirkskläranlage in Betrieb genommen werden. Schloß Rechtental wurde renoviert und zu einer Weiterbildungsstätte für Lehrer adaptiert. 1999 war der neue Kindergarten unterhalb des Bürgerhauses bezugsfertig und derzeit entstehen eine Großraumturnhalle, ein neues Altenheim sowie eine Musikschule.

(Aus: Tramin an der Südtiroler Weinstraße, Dorfführer von Dr. Roland Zwerger)

 
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