Egetmannumzug
Der Traminer Egetmann Umzug ist wohl die
bekannteste Faschingsveranstaltung Südtirols und findet
alle zwei Jahre an ungeraden Jahren statt.
Im Grunde soll der Umzug eine Bauernhochzeit und Tätigkeiten
in der Landwirtschaft verkörpern. Hinzu kommen noch Einzelfiguren,
die damit kaum etwas zu tun haben und seit mindestens sechzig
Jahren vervollständigen Wagen oder Figuren zu aktuellen
Themen den Zug.
Die Hauptperson, der „Egetmann-Hansl“
ist eine Puppe. Wie seine Begleiter, die als Ratsherren bezeichnet
werden, ist er mit Frack und Zylinder gekleidet. Die Braut,
die wie alle Figuren des Umzugs, nur von einem Mann dargestellt
werden darf, sitzt neben ihm in weißen Kleid. In einer
schwarzen Kutsche, die von Pferden gezogen wird, werden sie
durch das Dorf gefahren.
Die Hochzeitsgesellschaft ist von Bauern
und Knechten umgeben, welche mit Sensen und anderen Arbeitsgeräten
der Landwirtschaft ausgestattet sind. Sie führen als
Transportmittel einen Protzenwagen mit der Penne mit. Außerdem
ist eine Egge, mundartlich „Eget“, dabei, die
dem Faschingsumzug ihren Namen gegeben hat.
Als Spielarten des wilden Mannes werden die
mit weißen Hühnerfedern beziehungsweise grünem
Efeu bedeckten Figuren gedeuted. Man sieht in ihnen Verkörperungen
des Winters und des Frühlings. Während dem Umzug
werden die Figuren vom begleitenden Jäger symbolisch
erschossen und damit der kalte Winter vertrieben. 
Die „Burgln“ und „Burgltreiber“
haben rußgeschwärzte Gesichter und Hände,
auf dem Rücken eine Kraxe mit einer Puppe, ihrem Kind,
und sind durch Schellenlärm weit zu hören. Die „Burgltreiber“
tragen eine aufgeblasene Schweinsblase mit sich, mit der sie
auf die „Burgln“ einschlagen. Ihre Namen stammen
vom lateinischen „purgare“, was mit reinigen oder
wegschaffen übersetzt werden kann. Weggeschafft oder
ausgetrieben werden sollen die bösen Wintergeister aus
den Häusern, in die die „Burgln“ manchmal
von ihren Verfolgern fliehen.
Zu
den bekanntesten Figuren des Egetmann Umzuges zählen
die Schnappviecher oder „Wudelen“ wie sie von
den Einheimischen genannt werden. Übersetzt heißt
das nichts anderes als Zicklein oder Kitz. Das „Maul“
des Wudeles, das mit hölzernen Zähnen und einer
Zunge aus Blech bestückt ist, kann über ein Zugseil
unter möglichst großer Lärmentwicklung auf-
und zugeklappt werden. Der Kopf ist mit einem dunklen Fell
bekleidet, außerdem ist es mir Hörner und Augen
versehen. 
Im Gefolge von Egetmanns Brautzug fahren
verschiedene Berufsgruppen mit wie z.B. Egtemann´s Leibschusterei
– oder Schneiderei. Auch Fassbinder führen beim
Umzug ihr Handwerk vor, ebenso Fischer, Pfannenflicker, Schwarzbrenner
und viele andere.
Ein Wagen, der wahrscheinlich seit einem
Jahrhundert mit dabei ist und viel Aufmerksamkeit auf sich
zieht, ist die „Altweiber-Mühle“. Ihr Ursprung
ist in der Sterzinger Gegend anzusehen. Die Mühle besteht
aus einem mehrere Meter hohen kastenartigen Holzaufbau, an
einer Seite mit dem Mühlrad bestückt und hinten
oben mit Seilaufzug versehen. Von
den Müllern werden „alte Weiber“ (wieder
recht schlampig gekleidete junge Burschen), eingefangen und
auf Schubkarren durch die Menge zur „“Altweiber-Mühle“
gebracht. Mit dem Seil werden sie nach oben gezogen, wobei
sie sich stark dagegen wehren, um schließlich ins Innere
der Mühle gestoßen zu erden. Das Mühlrad dreht
sich, dann wird noch kräftig Sägemehl in die Menge
gestoßen und anschließend springt aus der Öffnung
daneben ein junges Mädchen heraus.
(Aus: Tramin an
der Weinstraße, Dr. Roland Zwerger)
|